Verwelkte Rosen

Das auf Leinwand gezeichnetes Bild (hier: Beitragsfoto) zeigt ein Pärchen, welches mitten im Krieg zwischen Bomben und Trümmern die Liebe fand. Eine zerbrochene Brücke trennt Mann und Frau körperlich, jedoch keinesfalls seelisch voneinander. Erkennbar ist, dass die Liebe beide am Leben hält, wertvoll und unverzichtbar ist. Ebenfalls beweisen sie Stärke, da sie das Risiko sterben zu müssen für die wahre Liebe ohne zu zögern eingehen. Illustration: Sophie Lang

Ist die Zeit ein Mörder? Heute schreibe ich als Flüchtling aus dem Krieg, welcher seit sieben Jahren in Syrien tobt. Ich schreibe über den Krieg, beziehungsweise über die Liebe in der Zeit des Kriegs. Diese unbeachteten Phrasen, für die sich niemand interessiert. In der Zeit, in der wir mit unseren Gedanken, Gefühlen und Seelen kämpfen. Ich nenne diese Zeit Fluch. Ewiger Fluch.

Verzweiflung, Gewalt, Leid und Tod. Die Menschen glauben an die Liebe, doch bleibt zwischen den Trümmern zerstörter Städte überhaupt Platz für sie? Ein Gespräch über Gefühle im Krieg.

Im Gespräch mit Lehrern des Vereins “Zuhause e.V.“ in Leipzig, Heiner A. Koch (36) und Andreas Wetzel (61).

Wie wichtig ist die Liebe im Krieg?

Wetzel: Ich kann mir vorstellen, dass die Liebe dazu da ist, Menschen enger zusammenzurücken. Um schlimme Dinge, wie beispielsweise Leid, Tod und Elend zu überwinden. Die Menschen geben sich gegenseitig Kraft, um den Krieg zu überstehen. Die Liebe spielt die wichtigste Rolle, da sie etwas sehr Persönliches zwischen zwei Menschen ist – und hilft.

Koch: Ich denke und hoffe, dass die Liebe die Macht besitzt, den Krieg zu stoppen. Die Liebe ist das wichtigste Element um verzeihen zu können, was auch Frieden entstehen lassen kann. Ich kann mir vorstellen, dass es schwer ist “romantische Liebe“ im Krieg zu führen.
Wenn Flüchtlinge es nicht schaffen ihre Partner mit nach Deutschland zu bringen, ist ihr Leben unvollständig. Daran glaube ich – und gebe trotzdem die Hoffnung nicht auf. Ja, die Liebe ist die einzige Hoffnung in der Zeit.

Während die Hoffnung zuletzt stirbt, ist es die Liebe die im Krieg zuerst ermordet wird – mit jedem verlorenen Freund, jedem geliebten Menschen dessen Andenken verblasst in der Masse der Toten. Der Krieg, das ist ein Alptraum, der auch ohne Schlaf zum Vorschein kommt. Er trennt uns voneinander, das macht Liebe unmöglich. In den Trümmern der Zerstörung findet sie keinen Platz und hat keine Möglichkeit, zu wachsen. Die Angst ist es, die den Krieg prägt, für die Liebe bleibt nur das Vergessen.

Während die Hoffnung zuletzt stirbt, ist es die Liebe die im Krieg zuerst ermordet wird – mit jedem verlorenen Freund, jedem geliebten Menschen dessen Andenken verblasst in der Masse der Toten. Der Krieg, das ist ein Alptraum, der auch ohne Schlaf zum Vorschein kommt. Er trennt uns voneinander, das macht Liebe unmöglich. In den Trümmern der Zerstörung findet sie keinen Platz und hat keine Möglichkeit, zu wachsen. Die Angst ist es, die den Krieg prägt, für die Liebe bleibt nur das Vergessen. - Saad Yaghi

Was denken Sie über das Schicksal in dieser Zeit des Kriegs, wird es von der Regierung oder von Gott bestimmt?

Koch: Schicksal ist ein schwieriges Wort. Es kann religiös gemeint sein, oder Glück und Unglück im Leben begründen. Ich persönlich denke nicht, dass die Liebe etwas mit dem Schicksal zu tun hat. Stattdessen ist Liebe eine bewusste Entscheidung.

Wetzel: Das Schicksal begleitet uns im Leben. Man kann nicht vorhersehen was passiert, ob man überleben wird oder nicht. Im Krieg passiert vieles überraschend, unerwartet. Syrien ist ein extremer Fall, da dort, neben dem Krieg, auch noch eine Diktatur besteht. Ich selbst bin in der DDR, auch einer Diktatur, aufgewachsen und ich denke nicht, dass Diktatoren einen Krieg beenden können. Grundsatz einer Demokratie ist der Frieden, deshalb wäre sie gut für Syrien!

Ich glaube an Gott und daran, was er vorgeschrieben hat. In einer Diktatur läuft alles anders. Sie widersetzt sich der Herrschaft Gottes – die Regierung kontrolliert das Schicksal der Menschen. Sobald der Herrscher jemandem den Tod wünscht, wird derjenige sterben. Durch die Regierung sind die Menschen eingeschränkt. In allem. Gegen diese Unterdrückung hat sich eine Revolte entwickelt. Sieben Jahre Krieg, Zerstörung, Tod – in dieses Schicksal ergibt sich ein ganzes Volk jeden Tag. Wenn du die Stadtviertel Syriens betrittst und die Bilder der Zerstörung siehst, kannst du nur andächtig schweigen. Hätte ich eine Liste mit den Namen der Menschen, der Freunde, der Lieben, die ich kannte – auf ihr würden mehr als 1000 Namen stehen. Ruht in Frieden. - Saad Yaghi

redaktionelle Mitarbeit: Joana Horz

Saad Yaghi
Saad Yaghi
redakteur3@wirklichwahr.org

Ich bin Saad Yaghi, 21 Jahre alt, aus Syrien, studiere Kommunikation und Medienwissenschaft. Als Fotograf und Filmemacher habe ich den Krieg in Syrien in den Jahren 2012 - 2014 dokumentiert. Heute lebe ich in Leipzig, spiele Theater, bin aktiv auf Social Media und schreibe Kommentare und Artikel für verschiedene Zeitungen.

Keine Kommentare

Kommentieren