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Zeit für Philosophie: Schicksal – ein Wort mit vielen Facetten

Dem Schicksal ausgeliefert sein. Große Worte, doch was verbirgt sich eigentlich dahinter? Eine historisch-religiösen Zeitreise versucht, Antworten zu liefern

Diverse Autoren befassen sich mit dem Thema Schicksal, indem sie seine Ausmaße thematisieren. Eines der aktuellsten Beispiele ist John Greens Roman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Aber existiert das Schicksal überhaupt oder ist es nicht bloß eine Illusion?

 „Das Schicksal wird schon seine Gründe haben.“ – Voltaire (französischer Philosoph und Schriftsteller)

Es ist eine der Fragen aller Fragen, die sich sicherlich jeder von uns an einem gewissen Punkt in seinem Leben schon einmal gestellt hat. Wir begeben uns in ausweglose Situationen, erleben schöne, schlimme und prägende Momente oder sind einfach sprachlos, da wir mit dem Geschehenen niemals gerechnet hätten. Die unbeschreibliche Ungewissheit, nicht zu wissen, weshalb das alles passiert, kennen wir alle. Ebenfalls die Vermutung, dass alles aus einem uns zu diesem Zeitpunkt unbekannten Grund aufeinander aufbauen könnte.

Einigen ist das Widerfahrene als Schicksal, Bestimmung oder Zufall bekannt, gläubige Menschen wiederum verbinden Beschriebenes häufig mit Gott. Das Unbekannte ist umstritten und oft eng mit der Sinnfrage verbunden. Worin der individuelle Sinn des eigenen Daseins besteht, entscheidet jeder für sich. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass hinter unserem Denken, Fühlen und Handeln mehr steckt, als wir zur erahnen wagen.

„Der Ziellose erleidet sein Schicksal – der Zielbewusste gestaltet es.“ – Immanuel Kant (deutscher abendländischer Philosoph)

Niemand, wirklich niemand konnte bisher nachweisen, ob so etwas wie das Schicksal wirklich existiert. Unzählige Philosophen wie Sigmund Freud, Schriftsteller und Wissenschaftler spekulieren bereits seit Jahrhunderten. Im Laufe der Zeit hörten verschiedene Religionen und Gruppierungen nie auf, abwegige Theorien und Mythen zu entwickeln. Diese stellen bis heute eine wichtige Streitfrage in der Gesellschaft dar, die durch gegensätzliche Sichtweisen repräsentiert wird. Der Schriftsteller Pierre Franckh thematisiert in seinem Buch „Erfolgreich wünschen“ die Idee, Wünsche richtig zu formulieren, damit diese in der Zukunft etwas bewegen können. Außerdem verdeutlicht er, wie man mit negativen Situationen im Leben richtig umgeht, um dieses selbst gestalten zu können.

„Nicht, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.“ – Marie von Ebner-Eschenbach (deutsche Schriftstellerin)

In welcher Form sich das Unbekannte bemerkbar macht, kann variieren. Es beinhaltet positive wie negative Seiten. Das Schicksal besitzt die Macht, uns ins finanzielle Abseits zu verbannen, einen Wendepunkt im Leben entstehen zu lassen oder Menschen in unser Leben zu rufen. Das Schicksal schafft es, uns Freude, Verzweiflung oder Traurigkeit zu bereiten. Ob hinter allem nun das Schicksal selbst, Zufälle oder ungewisse andere Aspekte stecken, entscheidet jeder Mensch für sich. Die unterschiedlichen, teilweise sehr komplexen Sichtweisen deuten darauf hin, dass die Frage, ob es das Schicksal wirklich gibt, auch in Kürze nicht beantwortet werden kann.

„Das Schicksal ereilt uns oft auf den Wegen, die man eingeschlagen hat, um ihm zu entgehen.“ – Jean de la Fontaine (französischer Schriftsteller)

Meiner Ansicht nach ist es das Schicksal wert, an es zu glauben und sich nicht vor ihm zu fürchten. Ganz egal, welche Sichtweise du teilst, es ist doch das Wichtigste, sein Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten – mit dem Ziel, glücklich und zufrieden zu sein.

Schicksal in verschiedenen Kulturen

Selbst in der Kirche spielte das Schicksal schon immer eine große Rolle. So gab es zum Beispiel die Ablassbriefe, auch Indulgenzbriefe genannt, die die begangenen Sünden und Strafen mildern sollten. Man konnte sich somit freikaufen, was Martin Luther im Jahr 1517 zur Verfassung der 95 Thesen motivierte.

Hexen, die im Einklang mit der Natur leben, erfanden ebenfalls unterschiedliche Rituale zur Deutung und Beeinflussung des Schicksals. Das Ritual der Räucherung von Weihrauch oder Myrrhe dient dazu, die bösen Kräfte und Mächte zu verbannen. Die Schutzblase ermöglicht einen sicheren Raum vor negativen Energien und Einflüssen. Der komplexe Schutzkreis stellt einen magischen Schutz vor Nöten und Ängsten dar. Dies führt uns zur aktuellen Form des Wahrsagens. Es bezeichnet zahlreiche schamanische Theorien, Methoden und Praktiken, die sich auf das geistliche Wissen berufen. Wahrsager betrachten die Hände nach den sogenannten Handlinien, sie legen Karten oder verwenden eine Glaskugel, um kommende Ereignisse vorauszusagen und vergangene zu deuten.

Auch die Indianer und die alten Ägypter befassten sich mit der Schicksalsfrage. In Ägypten herrschte der Glaube an die Götter, was sie in der Frage nach dem Schicksal stark beeinflusste. Sie führten Opfergaben anhand von Hühnern oder Lämmern durch, bestraften sich teilweise sogar selbst, um das Unheil und die Gefahr von sich abzuwenden. Jede negative Kleinigkeit, wie beispielsweise Kopfschmerzen oder eine Spinne, wurde als lebensbedrohliches von Gott geschicktes Zeichen interpretiert. Während die Ägypter von schlechtem Wetter zu Opfergaben verleitet wurden, führten die Indianer Tänze auf. Der Büffeltanz etwa diente dazu, nicht zu verhungern, indem die Büffelherden ans Dorf gelockt wurden. Der Busk-Grün-Mais-Tanz vollbrachte die Reinigung der Indianer. Er stärkte sie moralisch und körperlich, da er jährlich die Sünden von ihnen nahm und den Neuanfang gewährte.

Der Determinismus

Determinismus bedeutet, dass alle Situationen oder Geschehnisse, die das Leben mit sich bringt, in gewisser Weise durch verschiedene Umstände vorbestimmt sind. Das Wort kommt vom lateinischen „determinare“, worunter man das Setzen von Grenzen versteht. Wir besitzen demnach keinen freien Willen, sondern nur geringen Einfluss auf unser Schicksal, da wir nicht dazu fähig sind, Herr über unser Handeln zu sein. Wir geben die Verantwortung also an den Determinismus ab, indem dieser die Entscheidungsmacht über uns und die Welt hat.

Das Karma

Eine weitere wichtige Theorie über unser Schicksal ist das Karma, das seinen Ursprung im Sanskrit (kárman) findet. Der Ausdruck bedeutet so viel wie Tat, Werk oder Schicksal. Es besteht aus einem spirituellen Konzept, das besagt, dass jede Handlung, psychisch wie geistlich, eine unausweichliche Folge haben wird. Diese kann sich sowohl positiv als auch negativ auf die jeweilige Person auswirken. Das Leben wird durch gute und böse Taten des jetzigen Lebens und der vorherigen bestimmt. Insbesondere in der buddhistischen, jainistischen und hinduistischen Lehre spielt das Karma eine wichtige religiöse Rolle, da auch der Glaube an die Wiedergeburt herrscht. Jedem Menschen widerfährt also ausschließlich das, was er durch vorherige Taten verdient. Schlimme Taten werden bestraft, gute wiederum belohnt.

Die Astrologie

Die Astrologie, die aus dem Griechischen (astrologia) stammt, bezeichnet die Beschäftigung mit den Sternenbildern, um die Erkenntnis des menschlichen Schicksals zu erlangen. Astrologie befasst sich also umfangreich mit den Zusammenhängen irdischer Vorgänge und den Himmelskörpern. Der französische Philosoph Nostradamus (1503 bis 1566), bekannt durch seine bewahrheiteten Visionen, gilt heute als der bekannteste Sternendeuter der Geschichte. Noch heute prägt er uns mit seinen absurden Vorhersagungen. Für die Zukunft schrieb er insgesamt 942 Prophezeiungen nieder, die beispielsweise den dritten Weltkrieg, Naturkatastrophen oder Terroranschläge beinhalten.

Der Sternenhimmel

Seit der Jungsteinzeit fasziniert der Sternenhimmel die Menschen. In verschiedenen Mythen der Astrologen ist die Milchstraße als Weg in die Unterwelt bekannt. Weitere Bilder der Sterne sah man als mythische Abbilder der Menschen und Tiere, wie beispielsweise einige Sternzeichen oder naturgetreue Vorstellungen. Es existieren etwa 1800 Sternenbilder, von denen die internationale astronomische Union jedoch lediglich 88 anerkennt. Die Bilder dienten in der griechischen Antike zur Einteilung der Jahreszeiten, heute kann man sich durch ihr unverändertes Dasein an ihnen orientieren.

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Joana Horz
Joana Horz
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